Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wie hoch die Lebenserwartung eines Bookers der Distillery im Vergleich zum Normalbürger ist? Wahrscheinlich signifikant geringer, bedenkt man ein erhöhtes Risiko eines Herzinfarkts oder Selbstmordes, weil der Nervfaktor beim Künstlerbuchen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist...
Immer wieder passiert es, dass wir Künstler anfragen, die musikalisch interessant, aber noch ziemlich unbekannt sind, von den Agenturen dann aber bei der Frage nach der Gage "1000€ müssen da schon kommen" als Antwort kommt. Oder wenn wir uns freuen, für einen bekannteren Act ein Booking festzumachen, das Date schon seit Monaten optioniert ist, dann aber kurz vorher die Absage mit der Begründung "es gab ein besseres Gagenangebot" ins Mailpostfach flattert.
An dieser Stelle eine kurze Erklärung: In Deutschland ist es anders als z.B. in England üblich, dass die Agenturen auf die Künstergage 15% Provision aufschlagen, was dann der Verdienst der Agenturen ist. Einfache Rechnung: Je höher die Gage, desto mehr Geld für die Agentur. Prinzipiell kein Problem, auch Agenturen müssen von irgendetwas leben. Nur ein Narr derdenkt, dass die von Jahr zu Jahr exorbitant steigenden Künstlerhonorare nix mit diesem System zu tun haben.
Leidtragende sind neben den kleinen Clubs die Künstler selbst, die sich immer öfter wundern, warum sie wiederholt in so gruseligen Locations spielen müssen. Leider sind wir bei den Verhandlungen ständig in direkter Konkurrenz zu Diskotheken im Ausland, die mit einer Kapazitätjenseits von zwei-, dreitausend Besuchern und Eintrittsgeldern über 20€ scheinbar bereit sind, jede Gage zu zahlen oder mit öffentlich geförderten Einrichtungen, die nicht darauf angewiesen sind, kostendeckend zu arbeiten. Und solange es Locations gibt, die dieseGagen zahlen, wird diese Entwicklung so weitergehen.
Mit Musik und Kultur hat das leider nicht viel zu tun. Wir werden weiter unser Bestes geben, einerseits das Leben unserer Booker zu schützen und andererseits Euch nach wie vor ein musikalisch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm zu bieten.
Denn in erster Linie geht es uns nach wie vor um die Musik und ein gutes Gefühl im Club. Aber manche Acts sind einfach für die Distille zu groß, leider! | |